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Landstreicher (Deutsche Lyrische Dichtung)

Landstreicher (Deutsche Lyrische Dichtung)

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Ich bin gegangen
ohne zu wissen wohin —
nur dass der Fluss
mich nicht aufhalten würde.

Das Wasser kennt keine Namen.
Es trägt sie trotzdem,
bis zur Mündung,
bis ins Meer,
bis ins Vergessen,
das kein Vergessen ist —
nur eine andere Form
des Erinnerns,
ruhiger,
salziger,
ohne Vorwurf.

Die Küste hat mir nichts versprochen.
Ich bin trotzdem geblieben,
bis die Wellen
aufhörten, mich zu fragen.

Schmerz ist kein Argument.
Er ist ein Zustand —
anhaltend, methodisch, ungebeten.
Er setzt sich hin
wie ein Gast ohne Einladung
und kennt die Hausordnung
besser als der Wirt.
Er bleibt über Nacht.
Er bleibt länger.

Im Wald der Rosen
blutete ich.
Nicht aus Schwäche,
sondern weil Dornen
keine Ausnahmen machen —
nicht für Vagabunden,
nicht für Dichter,
nicht für die, die glaubten,
die Schönheit sei umsonst.

Sie ist es nie.
Das ist keine Metapher.
Das ist Botanik.
Das ist das älteste Gesetz
der Dinge, die es wert sind.

Was sich zeigt, heilt.
Was sich verbirgt,
arbeitet weiter —
still, präzise,
wie ein Wissenschaftler
ohne Ethikkommission,
ohne Aufsicht,
ohne Schlafbedürfnis.

Die unsichtbare Wunde
braucht keinen Zeugen.
Sie braucht Zeit.
Die bekommt sie sowieso —
die Zeit gehört ihr,
nicht uns.

Ich habe gelernt,
dass Narben keine Trophäen sind.
Sie sind Dokumente —
Beweisstücke
einer langen Beziehung
zwischen dem Körper
und dem, was er ertragen hat.

Wer sie lesen kann,
versteht die Sprache
des Fortbestehens —
nicht des Triumphes,
sondern des schlichten,
täglichen Weitermachens,
ohne Publikum,
ohne Applaus.

Sturm ist kein Feind.
Er ist ein Test
ohne Prüfer,
ohne Zeugnis,
ohne Bewertungskriterien —
nur das Stehen selbst
als einzige Antwort.

Ich stand.
Nicht aufrecht.
Nicht würdevoll.
Gebeugt, gebrochen fast —
aber stehend.
Und das war genug
für diesen einen Tag.

Tränen, die nicht fallen,
sammeln sich irgendwo
tief im Brustkorb —
ein stilles Reservoir
aus allem,
was gesagt werden wollte
und nicht durfte.

Eines Tages bricht es.
Oder es bleibt.
Beides ist menschlich.
Beides ist erschöpfend.
Beides gehört
zu dem, was wir sind,
wenn niemand zuschaut —
wenn wir endlich
wir selbst sein dürfen.

Der Fluss hat keine Moral.
Die Rose hat keine Absicht.
Der Weg hat kein Gedächtnis.

Nur ich trage alles mit —
das Sichtbare und das Schweigende,
das Geheilte und das Offene,
die Schönheit, die mich kostete,
den Schmerz, der blieb
und trotzdem nicht gewann.

Und so gehe ich weiter.
Nicht weil es leicht wäre —
leicht war es nie.
Nicht weil ich muss —
Zwang ist eine arme Motivation.
Sondern weil Stillstand
keine Sprache hat,
die ich noch sprechen will.

Weil der Morgen
eine grammatische Notwendigkeit ist
nach jeder Nacht,
die lange genug war.

Der Vagabund
findet kein Zuhause.

Er wird eins.

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Видео Landstreicher (Deutsche Lyrische Dichtung) канала Poetry Soundsystem (by: Doss)
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